"Hiruko the Goblin" DVD-Besprechung
von Benjamin Vogt

Pressetext


Eine dämonische Armee wartet hinter dem Tor zur Hölle auf ihre Befreiung. Der Dämon Hiruko konnte entkommen und versucht nun das Tor, welches direkt unter einer Schule liegt, zu öffnen. Eine bizarre Mordserie nimmt ihren Lauf, und einige Schüler verlieren ihr Leben auf äußerst drastische Art und Weise. Die letzte Hoffnung der Menschheit sind Dr. Heida und sein Neffe Masao. Ausgerüstet mit speziellen Waffen versuchen sie, Hiruko zu stoppen. Aber der Dämon ist weitaus mächtiger, als sie jemals vermutet hätten. Ein unglaublicher Kampf beginnt...

Kultregisseur Shinya Tsukamoto (Tetsuo 1 und 2) entfachte mit Hiruko the Goblin einen beispiellosen visuellen Overkill mit allen Versatzstücken, die den phantastischen Film seit jeher auszeichnen. Neben den erstklassigen Effekten und der Highspeed-Inszenierung begeistern vor allem die bislang einzigartigen Monsterkreaturen. Durch seine ungewöhnliche und ironisch erzählte Story und seine kunstvolle Machart erlangte der Film verdientermaßen einen welt-
weiten Kultstatus. Hiruko ist ein fantastischer und zugleich grauenhafter Abstieg in die Hölle, mit dem Tsukamoto seine Liebe zum effektorientierten Horrorfilm mehr als beweisen konnte.

Meinung
Beschreibungen wie „Kultstatus“ oder „visueller Overkill“ wirken auf mich auf Anhieb etwas deplatziert und übertrieben.
Hiruko ist ein Film, dessen Special Effects sich weitesgehend auf mechanische Krabbeltiere beschränken. Selbst unter dem Gesichtspunkt des gut 15 Jahre zurückliegenden Entstehungsjahres würde ich nicht grade von einem Übermaß an optischen Reizpunkten sprechen. Dafür wird die einzige technische Raffinesse, die in Tsukamotos Werk steckt, also das möglichst widerliche und angsteinflößende Einsetzen der Hiruko-Spinnenwesen, zu spärlich und nebenbei zu uneffizient eingesetzt.

Neben der Tatsache also, dass ich mich weniger gegruselt als gelangweilt habe, fällt die wenig ausgefeilte Story auf. Wissen die beiden sich nach einiger Zeit herauskristallisierenden Hauptpersonen noch die Sympathie der Zusehers zu gewinnen (mehr durch ihre witzigen Szenen), so 08/15 bleibt das Abenteuer, das sie bestreiten. Eine Geschichte, die einmal angeschaut mehr als genug ist, und die fast alle typischen Elemente des klassischen Horrorfilms aufgreift - außer in den bizarren Szenen, wie die Auftritte des Hausmeisters oder die Flucht von Dr.Heida und Masao mit einem Fahrrad. Vollkommen fehl platziert in einem Horrorfilm, dennoch sind diese Schmunzler die kleinen Highlights von Hiruko the Goblin. Typisch fernöstlich, möchte ich beinahe sagen, bleiben so mancher Tiefgang und einige weiterführende Charakterisierungen hin und wieder auf der Strecke und weichen der Nüchternheit der japanischen Erzählweise. Der Sinn der raschen Bildwechsel bleiben immer wieder im Verborgenen, wobei der Übergang zwischen beklemmender Atmosphäre und grüner Wiese als Kontrast in einigen Momenten gut eingesetzt wird. Positiv ist auch die Musik zu erwähnen, die einen gut in der jeweiligen Situation begleitet.


Fazit
„Hiruko the Goblin“ mag Fans des Kultregisseurs Shinya Tsukamoto gefallen, ich als nicht allzu großer Fan fernöstlichen Filmguts kenne ihn nicht und kann seine anderen Filme nicht beurteilen. Dieser Film ist auf jeden Fall eine schwache Vorstellung für jeden, der ernsthaft einen Horrorschocker sehen will. Einzig und allein in der Balance zwischen düsterer Groteske und Comedy-Elementen kann „Hiruko“ phasenweise überzeugen. Die Story ist viel zu dünn und vorhersehbar und gerade aufgrund seines angeblichen „visuellen Overkills“ lähmend und teilweise sogar lächerlich. Und das, obwohl eine Menge Blut fließt und mit menschlichen Köpfen auf Spinnenwesen die Urängste des Zuschauers geweckt werden sollen. Das mag 1990 auf diese Art noch leicht gewesen sein, heute ist dieser dann doch eher harmlose Stil überholt.

Als Bonusmaterial stehen ein paar sehenswerte Punkte zur Verfügung: Eine Einleitung des Franzosen Jean-Pierre Dionnet (allerdings komplett ohne Erwähnung, wer das überhaupt ist), ein F/X-Special (man sieht ein paar Aufnahme aus der technischen Abteilung der Produktion), Interviews mit Takashi Oda und Shinya Tsukamoto, ein Image Board und der Trailer auf Deutsch und Japanisch. Allerdings muss man sagen, dass die Interviews und das F/X Making-of viel zu kurz sind, womit sich meine Begeisterung ob des mannigfaltigen Hintergrundmaterials dann doch in Grenzen hielt.

Verwandte Filme
Tetsuo, Tokyo Fist (Tsukamoto-Filme)

 

Hiruko the Goblin
Originaltitel: Yokai Hanta - Hiruko
Japan 1990
ca.90 min.
PAL Color
Widescreen (16:9)
Untertitel
Ton Deutsch/Japanisch, Dolby Digital 5.1/DD-2.0 Mono

FSK 16
DVD Bildformat 1,85:1, Anamorphic Widescreen 16:9
Ländercode 2

Regie:
Shinya Tsukamoto

Darsteller:
Kenji Sawada, Masaki Kudou, Hideo Murota, Naoto Takenaka, Megumi Ueno
Extras:
Kapitelmenü, Trailer, F/X Special, Interviews, Image-Board, Einführung
Vertrieb Deutschland:
McOne



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