Robots
Daten
Originaltitel:
Robots
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2005
FSK

ab 0 Jahre

Regie: Chris Wedge
Carlos Saldnaha
Sprecher: Michael Herbig, Sarah Conner, Oliver Kalkofe
...

Individualismus vom Fliessband

Brötchen von gestern zum halben Preis: Robots von Twentieth Century Fox

Manchmal - selten, aber doch manchmal, beneide ich Leute, die erst seit kurzem auf der Welt sind, sagen wir ein- bis anderthalb Jahrzehnte - und daher das Privileg haben, alle möglichen Dinge zum ersten Mal zu erleben: Erster Kuss mit Zunge (!!!) inklusive Erröten am ganzen Körper, zum ersten Mal Siddartha lesen und sich ganz toll dabei vorkommen - und Animationsfilme wie Robots geniessen, ohne sich schmerzhaft der ewig gleichen, schablonenhaften Strukturen bewusst zu werden. Während Pixar mit den Incredibles einmal mehr den erfolgreichen Spagat zwischen kommerzieller Ausrichtung auf der einen und Mut und Originalität auf der anderen Seite vollzogen haben, bietet die Twentieth Century Fox mit Robots, wie bereits in minderem Maße mit Ice Age, eine souveräne, technisch brilliante Aufbereitung der immergleichen Zutaten, ein Film mit einigen guten Ideen, aber kein guter Film.

Die Story: von Kindheit an träumt der kleine Rodney Copperbottom, der in einem verschlafenen Städtchen als Sohn eines Tellerwäschers aufwächst, von der Metropole Robot City und dem grossen Big Weld, der die Welt um eine Erfindung nach der anderen bereichert und in Werbespots alle nachwüchsigen Talente ansport, sein Unternehmen zu besuchen. Als er nun die Adolenszenz erreicht hat und in Robot City ankommt, macht er die ernüchternde Erfahrung, daß er mitnichten willkommen ist - und Big Weld scheint verschwunden zu sein. Seinen Platz hat der arge Ratchet eingenommen, ein stromlinienförmiger Hochglanz-High-Tech-Roboter, der getrieben von Habgier, der eigenen wie der seiner Mutter - die Herstellung der Ersatzteile für die die ganze Vielfalt der Robotertypen einstellt und stattdessen ein teures "Upgrade" auf gleichförmige Hochglanztorsos anbietet. Rodney kommt einem Komplott auf die Spur, und zusammen mit einer illustren Anzahl Freunde, dem Sidekick Fender und der durch die Macht der Liebe zum guten konvertierten Hochglanzrobotress Cappy tritt er den Kampf gegen die Übermacht von Ratchet und seiner Armee an.

Robots erweckt zu jeder Minute den Eindruck, als sei man hier mit einer Checkliste aller Zutaten für den garantierten Blockbuster zu Tat geschritten und und habe jedes Soll doppelt und dreifach erfüllt: Ein schnuckliger Held! Ein fieser fieser Böser! Ein komischer Sidekick! Eine Love Story! Witzige Anspielungen auf andere Filme! Eine Moral! Ach was, zwei! Der Film ist derart bemüht, auch wirklich auf Nummer Sicher zu gehen, daß jede Spur von Originalität, und/oder eben auch des baren, spassmachenden Unsinns, der viele der PIXAR-Produktionen auszeichnet, komplett ausgeblendet wird. Die Dramaturgie des Filmes trägt ihr übriges zum Schema F bei und liefert eine ermüdend gleichförmige Abfolge von Witz- und Actionsequenzen mit hier und da einer Minute traniger Senimentalität, bevor die nächste visuell atemberaubende Achterbahnfahrt losbraust.

Der Humor wird zum übergrosssen Teil aus der Übertragung "menschlicher" Umstände in die Roboterwelt gezogen - ach, sie trinken morgens Schmieröl statt Kaffee! Harr! und über Gebühr gemolken, die Charaktere sind extrem flach und stereotyp, der komisch gemeinte Sidekick "Fender" ist nervenzerrüttend wie seit Jar-Jar Binks keiner mehr, und auch die Hollywood-Anspielungen kommen derart mit dem Scheunentor gewunken ("I’m singing in the oil") daß auch sie eher reizen als erheitern. Die Moral(e) -du kannst es schaffen, wenn du an dich glaubst und Individualität ist eigentlich eine feine Sache - werden einem übergestülpt wie ein Eimer Sirup, und während alle bessere Aninmationsproduktionen in alter Asterix-Tradition auf mehreren Ebenen funktionieren und es so verschiedenen Altersgruppen ermöglichen, den Film auf jeweils ihre Art zu sehen, bleibt Robots in Story wie Humor extrem eindimensional. Den Gnadenstoß versetzt die deutsche Synchronisation, die einmal mehr relativ neutral gehaltene Originaldialoge in kindische, verzweifelt witzelnde Hysterie verwandelt und Robots damit endgültig zum reinen Kinderfilm stempelt. Als solcher allerdings wird er sicher funktionieren. Für alle anderen ist Robots ein weiterer Fall für "hatte nichts besseres vor"-Abende.

Frank Plein
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