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Individualismus
vom Fliessband
Brötchen von
gestern zum halben Preis: Robots von Twentieth Century Fox
Manchmal
- selten, aber doch manchmal, beneide ich Leute, die erst seit kurzem
auf der Welt sind, sagen wir ein- bis anderthalb Jahrzehnte - und daher
das Privileg haben, alle möglichen Dinge zum ersten Mal zu erleben:
Erster Kuss mit Zunge (!!!) inklusive Erröten am ganzen Körper,
zum ersten Mal Siddartha lesen und sich ganz toll dabei vorkommen
- und Animationsfilme wie Robots geniessen, ohne sich schmerzhaft
der ewig gleichen, schablonenhaften Strukturen bewusst zu werden. Während
Pixar mit den Incredibles einmal mehr den erfolgreichen Spagat
zwischen kommerzieller Ausrichtung auf der einen und Mut und Originalität
auf der anderen Seite vollzogen haben, bietet die Twentieth Century Fox
mit Robots, wie bereits in minderem Maße mit Ice Age,
eine souveräne, technisch brilliante Aufbereitung der immergleichen
Zutaten, ein Film mit einigen guten Ideen, aber kein guter Film.
Die Story: von Kindheit an träumt der kleine Rodney Copperbottom,
der in einem verschlafenen Städtchen als Sohn eines Tellerwäschers
aufwächst, von der Metropole Robot City und dem grossen Big Weld,
der die Welt um eine Erfindung nach der anderen bereichert und in Werbespots
alle nachwüchsigen Talente ansport, sein Unternehmen zu besuchen.
Als er nun die Adolenszenz erreicht hat und in Robot City ankommt, macht
er die ernüchternde Erfahrung, daß er mitnichten willkommen
ist - und Big Weld scheint verschwunden zu sein. Seinen Platz hat der
arge Ratchet eingenommen, ein stromlinienförmiger Hochglanz-High-Tech-Roboter,
der getrieben von Habgier, der eigenen wie der seiner Mutter - die Herstellung
der Ersatzteile für die die ganze Vielfalt der Robotertypen einstellt
und stattdessen ein teures "Upgrade" auf gleichförmige
Hochglanztorsos anbietet. Rodney kommt einem Komplott auf die Spur, und
zusammen mit einer illustren Anzahl Freunde, dem Sidekick Fender und der
durch die Macht der Liebe zum guten konvertierten Hochglanzrobotress Cappy
tritt er den Kampf gegen die Übermacht von Ratchet und seiner Armee
an.
Robots
erweckt zu jeder Minute den Eindruck, als sei man hier mit einer Checkliste
aller Zutaten für den garantierten Blockbuster zu Tat geschritten
und und habe jedes Soll doppelt und dreifach erfüllt: Ein schnuckliger
Held! Ein fieser fieser Böser! Ein komischer Sidekick! Eine Love
Story! Witzige Anspielungen auf andere Filme! Eine Moral! Ach was, zwei!
Der Film ist derart bemüht, auch wirklich auf Nummer Sicher zu gehen,
daß jede Spur von Originalität, und/oder eben auch des baren,
spassmachenden Unsinns, der viele der PIXAR-Produktionen auszeichnet,
komplett ausgeblendet wird. Die Dramaturgie des Filmes trägt ihr
übriges zum Schema F bei und liefert eine ermüdend gleichförmige
Abfolge von Witz- und Actionsequenzen mit hier und da einer Minute traniger
Senimentalität, bevor die nächste visuell atemberaubende Achterbahnfahrt
losbraust.
Der Humor wird zum übergrosssen Teil aus der Übertragung "menschlicher"
Umstände in die Roboterwelt gezogen - ach, sie trinken morgens
Schmieröl statt Kaffee! Harr! und über Gebühr gemolken,
die Charaktere sind extrem flach und stereotyp, der komisch gemeinte Sidekick
"Fender" ist nervenzerrüttend wie seit Jar-Jar Binks keiner
mehr, und auch die Hollywood-Anspielungen kommen derart mit dem Scheunentor
gewunken ("I’m singing in the oil") daß auch sie eher
reizen als erheitern. Die Moral(e) -du kannst es schaffen, wenn du
an dich glaubst und Individualität ist eigentlich eine feine
Sache - werden einem übergestülpt wie ein Eimer Sirup, und
während alle bessere Aninmationsproduktionen in alter Asterix-Tradition
auf mehreren Ebenen funktionieren und es so verschiedenen Altersgruppen
ermöglichen, den Film auf jeweils ihre Art zu sehen, bleibt Robots
in Story wie Humor extrem eindimensional. Den Gnadenstoß versetzt
die deutsche Synchronisation, die einmal mehr relativ neutral gehaltene
Originaldialoge in kindische, verzweifelt witzelnde Hysterie verwandelt
und Robots damit endgültig zum reinen Kinderfilm stempelt.
Als solcher allerdings wird er sicher funktionieren. Für alle anderen
ist Robots ein weiterer Fall für "hatte nichts besseres
vor"-Abende.
Frank
Plein
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